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Das Wohlfahrtsmodell – eine scheinbare "Weiterentwicklung" des medizinischen Modells:

Das medizinische Modell wurde im Laufe der Zeit ein bisserl abgeschwächt und um eine kleine „soziale Komponente " zum „Wohlfahrtsmodell " erweitert.

Es entstand eine Geisteshaltung, die von Mitleid, Almosen und "liebevoller Zuwqendung" geprägt ist. An der Fremdbestimmung änderte sich wenig. Ein respektvoller Kontakt auf Augenhöhe blieb weiter unmöglich. Durch den Wohlfahrtsgedanken motiviert, floss und fließt viel Geld in Therapie, isolierte Unterbringung und Betreuung in ausgesonderten Einrichtungen.

Das Recht auf Selbstbestimmtheit und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen kommt im Wohlfahrtsgedanken nicht, oder nur sehr theoretisch vor.

Tirols Gemeinden hängen stark im „Wohlfahrtsgedanken" fest.
Jahrzehntelang finanzierte Sonderschulverbände werden von den schulerhaltenden BürgermeisterInnen immer noch als positiv wahrgenommen, obwohl sie Kinder trennen, eine positive Schulentwicklung verhindern und den Grundstein für lebenslange Probleme im gemeinsamen Alltag von Menschen mit und ohne Behinderungen legen.
Die UN-Menschenrechtskonvention und die Bedürfnisse und Rechte von Menschen mit Behinderungen werden von Tirols BürgermeisterInnen leider arg übersehen. „das Wohlfahrtsmodell" ist im Schulbereich allgegenwärtig:

In Tirol teilen sich das Land bzw. Gemeinden als Schulerhalter mit diversen „barmherzigen Orden" die Erhaltung von Sonderschulen, wobei die „barmherzigen Orden" (wie im Fall Mädchenheim Zirl, Elisabethinum, oder Bubenburg) heute nicht mehr für ihre früher praktizierte gewalttätige und grenzüberschreitende „Barmherzigkeit" belangt werden.
Es bleibt nach wie vor ein großer Unterschied zwischen den zu heilenden (oder unheilbaren) und zu betreuenden Menschen mit Behinderungen und den „besser-wissenden", "gesunden" und mitfühlenden" Menschen ohne Behinderungen.

Charity als Teil des Wohlfahrtsmodells:
Es ist kein Zufall, dass „Licht ins Dunkel" und die gesamte „Charity-Industrie" derart floriert. Spenden ist schön und werbewirksam – „tue Gutes und rede darüber"! Aber mit Teilhabe hat das ganz wenig zu tun.
Mit Spenden werden vorwiegend - meist isolierte - Angebote für Menschen mit Behinderungen finanziert. Also keine persönliche Assistenz, keine normal bezahlten Arbeitsplätze, kaum Teilhabe am gemeinsamen Leben...
Das Bild von Menschen mit Behinderungen, das z.B. LiD verbreitet, wird von „Betroffenen" längst abgelehnt und es wird auch stark kritisiert, dass LiD nicht von Menschen mit Behinderungen selbst gestaltet wird.Im Gegensatz zu "Licht ins Dunkel" hat sich die deutsche "Aktion Mensch " seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention sehr positiv verändert.

Weiterführende Links:

Geschichte der Behindertenbewegung - BIDOK >>>

Bizeps - Staatenprüfung 2018 - die Kritik der Zivilgesellschaft >>>

Das Erbe des Nationalsozialismus im (deutschen) Schulbereich aufkündigen - ein lesenswerter Artikel auf Bizeps >>>

einer von ganz vielen kritischen Artikeln über Licht ins Dunkel (Franz Josef Huainigg - ehem. ÖVP Behindertensprecher)  >>>

(übrigens ist es sehr schade, dass derzeit niemand in der ÖVP für die Belange von Menschen mit Behinderungen im Nationalrat aktiv ist!!!)

 

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