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Führt Tirols Bildungspolitik zurück ins letzte Jahrhundert?

Die Einführung der „PBZs" (pädagogische Beratungs-Zentren) war ein Meilenstein der Bildungspolitik und diese PBZs haben sich in kurzer Zeit sehr bewährt. Schuleingangs- und Übertrittsphasen wurden von den MitarbeiterInnen der PBZs durch genaues Hinschauen, durch Wissensvermittlung und Angstabbau in Form von konkreten und individuellen Informationen möglich gemacht und erleichtert. Jedes Kind sollte an seiner Wohnortschule willkommen sein! Und die Wohnortschulen wurden – wie auch die Eltern – gut darauf vorbereitet.

2019 scheint ein Jahr der Kehrtwende zurück in alte und menschenverachtende Zeiten zu sein: Wir erfahren nun von Eltern, dass sie derzeit keinen oder kaum Kontakt zu den PBZ-MitarbeiterInnen haben, dass Schulen von Beamten, Juristen und Sekretärinnen ausgesucht werden, und dass Schulen nicht mehr ausreichend auf ihre Aufgaben vorbereitet werden.

Die Unterstützung unserer Schulen und die Unterstützung von Kindern mit Behinderungen scheint nicht mehr so wichtig zu sein...
Erstmals seit vielen Jahren hören wir folgende Sätze von SchulleiterInnen:

  • Wir haben letztes Jahr eine Integrationsklasse eingeführt. Das war anstrengend und deshalb machen wir das heuer nicht mehr.
  • Wir nehmen keine Kinder mit Behinderungen auf. Wenden Sie sich bitte an die Bildungsdirektion!
  • Für Kinder wie Ihres gibt es Sonderschulen. Die brauchen eh mehr Kinder. Bitte wenden Sie sich an die zuständige Sonderschule!
  • Wir nehmen Kinder mit Behinderungen nur dann auf, wenn sie eine Assistenz mitbringen und den bisherigen Unterricht nicht belasten. Für ein einzelnes Kind wollen wir den Unterricht nicht verändern.

Wir haben solche Aussagen lange nicht mehr gehört. Scheinbar haben fortschrittliche PädagogInnen derzeit einen schweren Stand gegenüber Juristen und "Managern", die sich eher mit Strukturen als mit Kindern und ihren Bedürfnissen beschäftigen. Es scheint, als wären Juristen, Manager und PädagogInnen schwer unter einen Hut zu bekommen...  zum Nachteil der Kinder.

Ein verbindlicher Kontakt zu fortschrittlichen Personen an Schulen und in der Schulverwaltung ist für alle Eltern und für uns als Verein schwieriger und unverbindlicher geworden.

Wir befürchten, dass mit dieser Entwicklung wieder vermehrt Diagnosen und „sonderpädagogische Förderbedarfszuweisungen" stattfinden werden. Dass vermehrt Kinder mit uralt-Argumenten an Sonderschulen vermittelt und mit teils fragwürdigen "Diagnosen" ausgesondert werden. Und wir befürchten, dass damit Tirols Schulsystem eine massive Verschlechterung erfährt.

Wir werden in den kommenden Monaten vermehrt darüber berichten und ganz konkrete Beispiele dazu anführen.

 

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