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Strukturänderungen, die Eltern kennen sollten

Wir hatten in den letzten Monaten einige Gespräche mit PolitikerInnen und der Schulbehörde. Meist eher ernüchternd:

PBZs und FIDS:
Die „Pädagogischen Beratungszentren" wurden federführend von Roland Astl entwickelt und positioniert.
Aus den Beratungszentren wurden nun „FIDS" ( https://www.lsr-t.gv.at/de/paedagogische-beratungszentren ) was leider zu vielen Unklarheiten bei allen Beteiligten (FIDS-MitarbeiterInnen, Eltern, Schulen und Lehrpersonen) geführt hat...
Herr Astl hat die "pädagogischen Beratungszentren" aufgebaut und sie waren das beste und innovativste Konzept der letzten Jahre.
Die FIDS müssen nun neu etabliert und wesentlich gestärkt werden! Bisher konnte uns niemand sagen, wer das wie machen soll.
Da ist auch die Kommunikation zu den Eltern derzeit sehr gestört, was die Arbeit der „FIDS" sehr beeinträchtigt und die "Wahlfreiheit" untergräbt.. Wir haben da leider schon ganz schlechte Erfahrungen gemacht - auch weil sich Eltern im aktuellen Behördendschungel ähnlich schlecht auskennen wie Lehrpersonen und SchulleiterInnen.

Roland Astl  & "human resources" :
Den dürfen wir da nicht unerwähnt lassen. Der Leiter des pädagogischen Dienst (Dr. Mayr) sagt zwar, dass „Roland Astl in einer eigenen Liga spielt und ihm in der Bildungsdirektion fachlich und inhaltlich niemand das Wasser reichen kann ". Trotzdem wird der einzige national und international anerkannte Fachmann aus dem ehemaligen Tiroler Landesschulrat in der neuen Bildungsdirektion nicht mehr gebraucht.
In der Privatwirtschaft kann man es sich nicht leisten, auf derart hochprofessionelle Leute einfach so zu verzichten – in der Bildungspolitik scheinen Fachwissen und Professionalität keine so wichtige Rolle zu spielen...

SQM – Schulqualitätsmanager:
Diese sind für die Qualitätsverbesserung an Schulen zuständig. Wir haben noch nicht mit allen „SQM" gesprochen, aber bisher leider keinen Qualitätsmanager getroffen, der in der Sichtweise von Kindern mit Behinderungen einen Unterscheid zwischen der so veralteten „medizinischen Sichtweise von Behinderung" und dem „sozialen Bild von Menschen mit Behinderung" kennt und lebt. Dabei wäre dieses Fachwissen und eine klare Haltung gerade für Qualitätsmanager und für einen positive Schulentwicklung eminent wichtig.

Der Leiter des pädagogischen Dienstes (Dr. Mag. Mayr) hat uns zwar zugesagt, die KollegInnen dahingehend aktiv zu schulen (wie auch die SchulpsychologInnen), aber reden und tun sind 2 unterschiedliche Dinge... schau ma mal...
die bisherigen Zusagen wurden leider alle nicht eingehalten, was schon zu sehr peinlichen und für Eltern unguten Erkenntnissen führte. Da würden wir uns mehr Handschlagqualität, Verlässlichkeit, ein Gefühl für die Umsetzung von Menschenrechten und einen verbindlichen Umgang mit Menschen mit Behinderungen und Eltern wünschen.
Schöne Reden ohne positive Konsequenzen bringen Tirols Schulen nicht weiter.

Derzeit herrscht Chaos ohne inklusive Strukturen:
Die „Führungsebene" agiert zwar wortreich, aber ebenso unverbindlich.
Klare Strukturen und Aufgaben für eine positive Entwicklung in Richtung Inklusion fehlen derzeit, was Eltern wie auch Schulen vor Probleme stellt.
Die Wahlfreiheit der Eltern wird durch den Zuständigkeitswirrwarr nicht verbessert...
Die Übergänge (Kindergarten-Volksschule, Volksschule-NMS oder Gym, etc...) sind nicht mehr so klar und professionell organisiert wie in den letzten Jahren und wir erleben große Qualitäts- und Haltungsunterschiede zwischen den einzelnen Bildungsregionen.
Schulen fehlen oft klare Vorgaben und aktive Hilfestellungen für einen gemeinsamen Unterricht und individuelle, flexible Lösungen im Sinne der Kinder scheinen weniger gewollt als in den letzten Jahren.

Es werden zwar weniger Kinder mit einem „SPF" (sonderpädagogischen Förderbedarf) belegt, aber die Aussonderungsqoute sinkt dadurch leider nicht. Es ist zu befürchten, dass der positive Ansatz von Herrn Astl nun zum ressourcensparenden Taschenspielertrick verkommt (dazu gehen wir in einem der kommenden Newsletter näher ein) und die Aussonderungsquote noch mehr ansteigt. Dabei ist Tirol ohnehin eines der schlechtesten Bundesländer im Umgang mit Kindern mit Behinderungen.

Die Sozialabteilung des Landes Tirol ist stolz auf die Landessonderschulen, die Bildungsabteilung hat kein Problem mit dem massiven Überangebot an "allgemeinen Sonderschulen" und die Bürgermeister als Schulerhalter sehen "ihre" Sonderchulverbände immer noch als "soziale Dienstleistung", obwohl die Umsetzung der UN-Konvention auf allen Ebenen versprochen ist... Und Sonderschulen wollen ja auch befüllt werden. Mit Kindern mit Behinderungen oder Notfalls mit Kindern mit Migrationshintergrund....
So lange das gut funtioniert, müssen Wohnortschulen nicht umdenken und dazulernen, was ja auch fein und bequem ist...

Es gibt leider niemanden in der Bildungsabteilung oder Bildungsdirektion, der/die willens und in der Lage ist, den Gemeinden zu erklären, das Investitionen in inklusive Schulen (Barrierefreiheit, regionale Fortildung,...) wichtiger und sinnvoller sind, als den übertriebenen Aufwand der "Sonderschulverbände" im ASO-Bereich aufrecht zu halten.
Es gibt leider niemanden, der/die willens und in der Lage ist, den Schulqualitätsmanagern ein aktuelles Bild von Menschen/Kindern mit Behinderungen zu vermitteln und wie sich soziale Ausgrenzung lebenslang auswirkt.

So ist es wenig verwunderlich, dass Eltern heuer wieder häufiger ablehnende Sätze und "Arguemnte" für Aussonderung zu hören bekommen, die eigentlich fast schon überwunden schienen....

 

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