Das leidige Thema Schulassistenz und seine Geschichte

Veröffentlicht am 27. Februar 2026 um 17:59

1994 wurde in Österreich die „Wahlfreiheit“ eingeführt. Aber nachdem Kinder mit Behinderungen an Wohnortschulen kaum Sonderpädagog:innen bereitgestellt bekamen, dafür aber ein minimales Kontingent an „Stützstunden“ – also Zusatzstunden von nicht ausgebildeten Lehrpersonen –, wurde die „Schulassistenz“ als kleine Krücke ins Leben gerufen.

Da Kinder mit Behinderungen ja nur Hilfe beim Stifthalten, beim Klogehen und Stillsitzen benötigen, braucht es dazu auch keine Ausbildung. Die Schulassistent:innen waren also ein minimalster Beitrag, um den immer schon dagewesenen „Pflegeaufwand“ an Sonderschulen auch an Wohnortschulen für Integrationskinder zu ermöglichen.

Aber auch das war zu viel Integration! Der damalige Landesschulinspektor hat Sonderschulen vor der Integration gewarnt und empfohlen, dass auch Sonderschulleiter:innen um Assistenzstunden ansuchen sollen. Was auch geschah. Andere Bundesländer haben sich unreflektiert angeschlossen …

Das Ergebnis waren bzw. sind Sonderschulkinder, die im Sekundentakt betreut, analysiert und beaufsichtigt sind. Kaum ein Kind kann sich eine persönliche, unbeaufsichtigte Pause gönnen, aus dem Fenster schauen und sich aus der Betreuung herausträumen. Eine Sonderschulklasse mit 5 Kindern, 2 Lehrpersonen, 2 Assistentinnen und 1 Sozialpädagogin habe ich selbst erfahren dürfen/müssen. Kinder im Würgegriff der angeblichen Pädagogik …

Die Gemeinden als Schulerhalter und Finanziers der Sonderschulen haben nie verstanden, um was es bei Schulassistenz wirklich ging. Und die Landespolitik hat Überbetreuung geschaffen, um Integration zu verhindern. Oft vermutlich auch unreflektiert und politisch motiviert.

Heute sind an Sonderschulen oft 10 oder sogar mehr Schulassistent:innen angestellt, obwohl diese Ressourcen ursprünglich an die Wohnortschulen gehörten. Offiziell, weil jedes Kind gleich viel wert ist. Aber letztlich nicht zum Wohle der Kinder, sondern als Mittel zum Erhalt des alten, ausgrenzenden Systems – und auch ein bisserl zum Erhalt von Wählerstimmen bei GÖD-Wahlen … eigentlich ein Missbrauch von Kindern mit Behinderungen.

Das Klagen wegen der Kosten für die Schulassistenz ist nun eine Folge einer Reihe ganz falscher Entscheidungen, die nichts mit einer positiven Schulentwicklung, nichts mit Integration oder Inklusion, sondern vielmehr mit einer gezielten und teuren Ausgrenzungspolitik zu tun haben. Die Gemeinden zahlen für Überbetreuung viel mehr als für ihre Kinder in den Wohnortschulen, was so gar nicht dem Ursprungsgedanken entspricht, teuer und ineffizient ist.

Vom Gemeinderat einer 800-Seelen-Landgemeinde darf man sich keine riesigen pädagogischen Konzepte erwarten; die müssen sich auf fundierte Informationen des Landes Tirol verlassen dürfen. Und diese Informationen dürfen nicht falsch, irreführend, rückständig und politisch motiviert sein! Sie müssen zum Wohl der Kinder erfolgen.

Es ist klar, dass Unterstützungen an Wohnortschulen sinnvoller und auch nicht teurer sind. Aber man muss es (politisch) kommunizieren und unterstützen. Derzeit ist leider das Gegenteil der Fall, was die Gemeinden in arge Notstände bringt.

Das sollten sich die Gemeinden nicht gefallen lassen und inklusive Konzepte vom Land Tirol einfordern!

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