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Kosten tut´s nix, aber alle Kinder will man im Gymnasium nicht haben…

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein hochbegabtes, autistisches Kind! Am Ende Volkschule stehen alles Einser im Zeugnis, das Kind war jahrelang unterfordert und beschäftigt sich mit Dingen, die im 3. Jahr des Gymnasiums gefordert sind... ABER es wird immer wieder mal laut und unruhig, wenn alles so langsam geht und wenn zu viel Unruhe und Chaos in der Klasse vorhanden ist...

Dann haben Sie bzw. Ihr Kind ein echtes Problem!

Dann müssen Sie nämlich erfahren, dass die Pflegestufe für Ihr Kind nicht ausreicht, um Schulassistenz für eine Bundesschule/für ein Gymnasium zu erhalten, was dazu führt, dass Ihr Kind nicht mehr willkommen ist, weil es zu laut und zu unangepasst sein könnte... also sollten Sie Ihr Kind doch besser in eine Sonderschule geben, oder in eine „Neue Mittelschule" mit Assistenz...

Was ist das Ergebnis?

In der Sonderschule wird ein Vielfaches an Geld für das autistische Kind ausgegeben und es wird nicht gefördert, sondern im Bildungsangebot massiv reduziert und nicht als Kind, sondern als „armer Behinderter" wahrgenommen und auch so behandelt.... Eine Katastrophe für Ihr Kind!

In der Neuen Mittelschule wird Ihr Kind auch größere Probleme bekommen als in der Volkschule. Offene Lernformen sind zwar grundsätzlich zu befürworten, aber für Menschen mit einem „Strukturbedürfnis" nicht immer ideal... die Unruhe und das „Chaos" sind größer als in der Volksschule – die „Verhaltensauffälligkeiten" werden damit auch größer und die Unterforderung auch... der Bedarf an Assistenz steigt damit und Ihr Kind wird an den Rand gedrängt....
Dann wird auch an der NMS mehr Geld für Assistenz ausgegeben, als es im Gymnasium nötig wäre...

Während Oberösterreich auch die Assistenzkosten an Bundesschulen selbst finanziert wird das in Tirol abgelehnt.

Aber warum?

Kinder, die an Gymnasien keine Assistenz aus Kostengründen erhalten wechseln an Landesschulen und benötigen dort mindestens gleiche Ausgaben wie an Bundesschulen. Mit Geld und Kosten kann diese Art der Diskriminierung nicht argumentiert werden. Vermutlich will in Tirols Bildungs- und Sozialpolitik niemand, dass hoch- und inselbegabte Kinder ans Gymnasium gehen. Das ist politisch/inhaltlich und pädagogisch nicht sinnvoll erklärbar.
Da die Kostenfrage kein Thema ist, kann es sich leider nur um gezielte Diskriminierung handeln. Mit der Einführung der Bildungsdirektion, die auch für Bundesschulen zuständig ist, und auch nicht nach dem "Transparenzprozess" der Sozialabteilung hat sich in dieser Hinsicht in Tirol leider nichts zum Positiven verändert.

Die Frage „warum hochbegabte Kinder mit autistischen Zügen" an Tirols Gymnasien trotz einiger sehr guter Erfahrungen noch immer unerwünscht sind, wird wohl leider von der Sozialabteilung und der Bildungsabteilung zu beantworten sein.
Beide Abteilungen sind zuständig:  Die Bildungsabteilung für die Organisation der Schulassistenz in Tirol und die Sozialabteilung stellt die finanziellen Mittel bereit. Beide Abteilungen sind/wären in der Lage, dieses alte Problem rasch und unbürokratisch zu lösen...

 

 

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