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Schulassistenz neu???

Das Thema „Schulassistenz" beschäftigt uns seit vielen Jahren immer wieder. Da haben wir als Verein sehr viel Erfahrung:

Mit einer anderen Familie konnten wir erreichen, dass ihr Kind trotz Pflegestufe 1 und keiner „Körperbehinderung" Assistenz im Gymnasium (=Bundesschule) erhält. Die Assistentin ist auch für die Schulwegbegleitung zuständig.

Für Schulveranstaltungen „außer Haus" (Ausflüge, Exkursionen, div. Projekte,...) muss die Familie allerdings immer noch selbst die Kosten für das eigene Kind UND die Assistenz tragen, was nicht einfach ist.

Und erstmals konnte ein Jugendlicher mit Hilfe von Assistenz an der Sprachwoche in London teilnehmen, was zwar wichtig und gut war, aber für die Familie auch mehr als doppelt so teuer, wie für alle anderen Familien.

Mit einer anderen betroffenen Familie konnten wir den damaligen Landesrat Gerhard Reheis überzeugen, dass eine Anhebung der wöchentlichen Assistenzstunden von 13,3 auf 23 Stunden sinnvoll und wichtig ist. Die Assistezstunden werden übrigens nicht in „Schulstunden" gerechnet, sondern in tatsächlichen Stunden zu 60 Minuten und können bei Inanspruchnahme der Tagesbetreuung auf maximal 35 Stunden ausgeweitet werden.

Integration Tirol fordert schon lange eine sinnvolle und für die betroffenen SchülerInnen wirklich hilfreiche und umfassende Assistenzleistung. Dazu gab es auch einige konstruktive Gespräche mit dem ehemaligen Juristen der Landes-Sozialabteilung. Oft haben wir auf die weltfremde Praxis hingewiesen, dass Kinder jahrelang mit Krankentransporten in die Schulen gekarrt werden und nach der Schulzeit ein „Mobilitätstraining" erhalten, um mit Fußwegen und öffentlichen Verkehrsmitteln gut klarkommen und nicht überfordert zu sein...

Im heurigen Sommer erschien nun eine neue Fassung der „Schulassistenz-Richtlinie" mit wichtigen Inhalten:

z.B. Begleitung bei Schulveranstaltungen, Lehrausgängen, Praktika.

z.B: Unterstützung bei der Einhaltung der Tages- und Zeitstruktur (das war damals auch der Grund, warum Assistenz m Schulweg so wichtig und hilfreich war!)

z.B: Unterstützung bei der Beaufsichtigung unmittelbar vor und nach Schulbeginn (bis zur Übergabe an die Erziehungsberechtigten), während der Pausen sowie Begleitung bei der Bewältigung des Schulweges mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Gerade der letzte Punkt macht klar, dass Assistenz am Schulweg keine Ausnahme mehr sein darf!

Im Sinne der betroffenen Kinder gehört diese „Mobilitätsunterstützung" von der Landessozialabteilung UND
von der Stadt Innsbruck – wie auch von allen anderen Gemeinden – aktiv unterstützt und engagiert umgesetzt.
Wir hoffen auf eine ganz rasche und ebenso klare Entscheidung zum Wohle der Kinder!
Überhaupt ist die Frage offen, ob "Schulassistenz" nicht doch eine "Kinder- und Jugendassistenz" sein sollte,
die sich nicht an Institutionen orientiert, sondern vor allem an Kindern und dem Kindeswohl...

 

...auf den Einzelfall bedacht nehmen!

(1) Assistenzkräfte müssen über keine spezifische Ausbildung verfügen. Vorausgesetzt wird jedoch
die für die Tätigkeit erforderliche Kompetenz sowie die persönliche Eignung. Bei der Auswahl der
Assistenzkraft ist auf die besonderen Anforderungen des Einzelfalles bestmöglich Bedacht zu
Nehmen.   So lautet der Punkt 1 der Tätigkeitsbeschreibung.

Leider ist es immer noch so, dass an vielen Tiroler Sonderschulen AssistentInnen fix angestellt sind und der Irrglaube vorherrscht, dass diese die Lehrpersonen zu unterstützen bzw. zu entlasten haben! So kommt es auch nicht selten zur sehr skurrilen Betreuungssituation, dass z.B. in einer Sonderschulklasse mit 6 Kindern bis zu 5 Personen (Lehrpersonen und AssistentInnen) arbeiten. Die überbetreuten Kinder können einem leid tun. Kinder mit Behinderungen sind da wohl viel ärger „überwacht" und „betreut" als ihre KollegInnen in Integrationsklassen, was wohl nicht immer gut sein kann... Was im Bereich der Sonderschulen zu vioel passiert, fehlt allerdings im inklusiven (ingtegrativen) Setting an allen Wohnortschulen...

Die Sonderschulen sind mehr denn je aufgefordert, die ihnen anvertrauten Kinder aktiv zu unterstützen!

Ist es wirklich sinnvoll, jedes Kind bringen und abholen zu lassen? Verhindert da die Schule nicht eher Entwicklungs- möglichkeiten, als diese zu fördern?
Ist es wirklich noch legitim, AssistentInnen im großen Ausmaß anzustellen und damit die SonderpädagogInnen zu „entlasten", oder sollte nicht richtlinienkonform auf das Kindeswohl geachtet werden, bzw. die Assistenz – in Absprache mit den Eltern - dem Kind zugeteilt werden, wobei das Kind oder die Eltern diese auch ablehnen dürfen.

Assistenz ist meist eine sehr intime und vertrauensvolle Aufgabe. Ich möchte mir z.B. nicht den Hintern von einer Person putzen lassen, die ich nicht mag und der ich nicht vertraue! Aber mit einer Person meies Vertrauens würde ich zumindest die nötige Mobilität für den Schulweg und viele andere Wege zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erlernen können und wollen.....

 

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