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Stopp Mobbing – auch an SchülerInnen mit Behinderungen!

Bei dem von Integration Tirol organisierten Vortragsabend im Oktober 2017 stand Prävention von Mobbing an Schulen, mit einem Schwerpunkt auf Mobbing an SchülerInnen mit Behinderungen im Zentrum. Die konkreten Vorschläge, die von den drei Referenten aus unterschiedlichen Perspektiven präsentiert wurden, sind in diesem Newsletter zusammengefasst.

Tobias Buchner erforscht als Sozial- und Bildungswissenschafter soziale Phänomene, u.a. in Integrationsklassen. In seinem Beitrag bezog er sich einerseits auf Fragen der Schulkultur, andererseits auf Fragen zur Unterrichtsgestaltung und zum Umgang mit Differenz im Schulalltag. Mobbing, so Buchner, hängt stark sowohl mit der allgemeinen Schulkultur, als auch mit der Art der Klassenführung zusammen. Soziales Lernen sollte in der Schule und in jeder einzelnen Klasse einen Schwerpunkt bilden. Wichtig ist, dass einzelne Gruppen von Kindern weder durch spezielle Bezeichnungen wie „I-Kinder" noch durch räumliche Trennung „besondert" werden. Gleichzeitig sollte die Unterschiedlichkeit von SchülerInnen im Unterricht durchaus thematisiert werden. Kleingruppen und Projektunterricht fördern ein kooperatives Lernklima, das Mobbing vorbeugend entgegenwirkt. In der Schule und in jeder Klasse muss es klare Regeln geben, die von allen mitgetragen werden und Platz für Diskussionen und neue Entwicklungen lassen.

Martin Schölzhorn berichtete aus seinen Erfahrungen als langjähriger Mitarbeiter des Tiroler Kinderschutzes aber auch als Vater eines Sohnes mit Behinderungen. Er betonte, dass bei allen Formen von Gewalt, also auch bei Mobbing in der Schule oder am Schulweg, nur ein gemeinsames und kooperatives Vorgehen bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen hilfreich ist. Kinderschutz, so Schölzhorn, erfordert das Tragen von „gemeinsamer Verantwortung" im Gegensatz zu „unorganisierter Verantwortungslosigkeit". Erwachsene im Umfeld von SchülerInnen (mit und ohne Behinderungen) müssen also gemeinsam Verantwortung übernehmen, sowohl für ein kooperatives Miteinander als auch für den Schutz jedes einzelnen Kindes. Wichtig ist eine pädagogische Haltung, die Signale gegen Abwertung, Übergriffe und Mobbing sowohl in der Klasse als auch außerhalb setzt. Erwachsene müssen aufmerksam sein und auf Abwertungen oder Übergriffe innerhalb der SchülerInnengruppe aktiv reagieren.

Philipp Bechter, Fachbereichsleiter der Schulsozialarbeit beim Tiroler Kinderschutz, erläuterte das Vorgehen von SchulsozialarbeiterInnen bei ersten Verdachtsfällen von Mobbing in Schulen: Neben der allgemeinen Information zur Frage: „Was ist Mobbing?" und zum rechtlichen Hintergrund werden in der Klasse die Gefühle der beteiligten Personen erfasst und beschrieben. Ein Anti-Mobbing-Vertrag kann beschlossen, Konsequenzen für Mobbing ausübende Personen besprochen werden. Nun wissen in der Klasse alle Bescheid und müssen gegebenenfalls auch mit Konsequenzen rechnen. Grundvoraussetzung ist, dass Mobbing laut Schul- bzw. Hausordnung verboten ist. Für den Umgang mit bereits eskaliertem Mobbing in Schulen verwies Bechter auf verschiedene Methoden, etwa die Farsta-Methode oder den No-Blame Ansatz.

Informationen für SchülerInnen gibt es im Internet auf http://www.stop-mobbing.at. Studierende des MCI haben in Zusammenarbeit mit der Tiroler Schulsozialarbeit diese Seite erarbeitet und dafür den Kinderschutzpreis 2017 in der Kategorie Gewaltprävention erhalten. Integration Tirol gratuliert!

Schließlich sollen auch SchülerInnen mit Behinderungen selbst gegen Mobbing zu Wort kommen. Dafür hat Integration Tirol ein kurzes Video aus England übersetzt – mit deutschen Untertiteln kann es hier angeschaut werden: https://www.youtube.com/watch?v=V-xufHiCmak&feature=youtu.be   Verbreitung sehr gerne erwünscht!

Die schriftlichen Unterlagen zu allen 3 Vorträgen können Sie hier herunterladen:

Dr. Tobias Buchner: Seine spannenden Erkenntnisse aus (selbst) durchgeführten Studien >>>

Mag. Martin Schölzhorn: Seine Überlegungen aus Sicht des Kinderschutzes und als Vater >>>

Mag. Philipp Bechter: Handlungsmöglichkeiten im Kontext der Tiroler Schulsozialarbeit >>>

DANKE an die Referenten für die hervorragenden Vorträge und die bereitgestellten Unterlagen!
DANKE an Petra Flieger für die treffende Zusammenfassung!

 

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